Hatten die Maler der Schule von Barbizon der Freilichtmalerei einen ganz neuen Stellenwert gegeben, so gingen die französischen Impressionisten noch einen Schritt weiter: Der Eindruck eines Augenblicks, die „instantanéité“ mit ihren flüchtigen Lichtwirkungen sollten in den Bildern festgehalten werden. Zugleich wollte diese Malerei radikal zeitgenössisch sein und dem modernen Lebensgefühl einer sich wandelnden Gesellschaft Ausdruck verleihen.
In Österreich entwickelte der Impressionismus eine ganz eigene Spielart: Obwohl auch hier die Bilder vielfach Ergebnis konsequenter Plein-air-Malerei waren, erschien den Malern die sensible Wiedergabe einer Stimmung wichtiger als die vorübergehenden Wirkungen des Lichts oder die reine Farbe. Diese Entwicklung verlief gleichzeitig zum französischen Impressionismus, der mit Werken von Cézanne, Degas, van Gogh, Monet, Manet, Pissarro und Renoir vertreten ist.
Ganz im Gegensatz zu den als „bedeutsam“ erachteten Themen der Historienmalerei konzentrierten sich manche Maler um die Mitte des 19. Jahrhunderts vermehrt auf schlichte Landschaftsdarstellungen. Der schmale Wirklichkeitsausschnitt, die genaue Beobachtung der Licht- und Wettersituation und der technisch raffinierte, bewusste Einsatz der Farbe zeichnet die Werke des Impressionismus aus.
Der Besuch der Internationalen Kunstausstellung in München 1869 hatte österreichische Maler in ihren Bestrebungen bestätigt, einfache Motive aus den Vorstädten oder Landschaften aus der näheren Umgebung Wiens zu malen.
So entstand nahezu gleichzeitig Emil Jacob Schindlers Dampfschiffstation bei Kaisermühlen an der Donau (1871/72) und Camille Pissarros Straße in Pontoise (1868). Olga Wisinger-Florian malte Blühender Mohn (1895/1900) etwas früher als Claude Monets Weg in Monets Garten in Giverny (1902). Diese Beispiele beweisen die Gleichzeitigkeit des Phänomens der Freilichtmalerei in Österreich und Frankreich.
Ganz im Sinne der ursprünglichen Intention der „Modernen Galerie“ umfasst die Sammlung des Belvedere sowohl Werke einheimischer Künstler als auch ausländischer Künstler: Pierre Auguste Renoir, Edouard Manet, Edgar Degas vertreten den Impressionismus, während das Stillleben mit blauer Flasche, Zuckerdose und Äpfeln (1900−02) von Paul Cézanne und Die Ebene von Auvers von Vincent van Gogh bereits den Übergang zur Moderne einleiten.
Die Berliner Secession, angeführt von Max Liebermann, stand ganz im Zeichen des Impressionismus. Vorzügliche Beispiele mit Jäger in den Dünen (1913) von Max Liebermann, Der Herzogstand am Walchensee im Schnee (1922) von Lovis Corinth und Badende Knaben (1911) von Max Slevogt dokumentieren die freie Pinselführung, den verwegenen Umgang mit Farbe und die intime Ausschnitthaftigkeit, die für den deutschen Impressionismus typisch sind.
Carl Schuch, einer der eigenwilligsten österreichischen Künstler, scheint sich von allen zeittypischen Strömungen abseits gehalten zu haben. 1846 geboren, gehörte er zur Generation der „Stimmungsimpressionisten“, er malte jedoch eher beeinflusst vom Realismus Courbets. 1871 arbeitete er in Ateliergemeinschaft mit Wilhelm Leibl und Wilhelm Trübner in München. Seine hervorragenden Stillleben wie Stilleben mit Kürbis, Pfirsichen und Weintrauben (um 1884), erinnern am ehesten an ähnliche Werke Cézannes wie Stilleben mit blauer Flasche, Zuckerdose und Äpfeln (1900-02).
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