Abgeschlossene Projekte

Ergebnisse abgeschlossener Forschungsprojekte werden hier zur Verfügung gestellt: darunter Bilddatenbanken und interaktive Visualisierungen zu österreichischen Künstlervereinigungen und Künstlergruppen wie dem Wiener Hagenbund oder dem Nötscher Kreis.

Wissensspeicher
o. T. (Detail) aus der Serie Wissensspeicher, 2013
Foto: Stefan Lehner / Belvedere, Wien

Internationales Netzwerk Hagenbund (1900 bis 1938)

 

Fördergeber: Jubiläumsfonds der Oesterreichischen Nationalbank (Nr. 15244)
Laufzeit: April 2013 – April 2015
Idee und Konzept: Harald Krejci
Projektleitung: Matthias Boeckl (Universität für angewandte Kunst Wien)
Projektteam: Harald Krejci (Teamleitung), Verena Gamper, Kerstin Jesse, Maximilian Kaiser, Axel Köhne

Ausschnitt aus dem Hagenbund Plakat
Hagenbund Plakat
© Belvedere, Wien

Unter den drei großen Künstlervereinigungen, welche das Kunst- und Kulturleben Wiens bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs bestimmten, war der Hagenbund im Vergleich zur Secession und zum Künstlerhaus der mit Abstand vielseitigste Verband. Unter seinem Dach fanden auch Randgruppen einen Platz, die aufgrund ihrer Nationalität, ihres Geschlechts, ihrer Religion, ihres Alters oder einfach nur wegen ihrer präferierten Stilrichtung politisch wie gesellschaftlich marginalisiert wurden. Die spezifische Zusammensetzung seiner Mitglieder war einer der Gründe für den auch internationalen Erfolg des Hagenbundes. Im Jahr 1938 endete nicht nur die Geschichte des Vereins, es wurde auch dessen Archiv zerstört. Bis heute vollständig erhalten geblieben sind die Kataloge zu den zweimal jährlich veranstalteten umfangreichen Ausstellungen und die dazugehörigen Rezensionen in diversen Tageszeitungen. Hinzu kommen Teil- und Splitternachlässe einzelner Mitglieder, welche sich über institutionelle und private Sammlungen verteilen. Aus diesen Beständen schöpft die Forschung seit der Wiederentdeckung des Hagenbundes in den 1970er-Jahren.

 

Interaktive Visualisierung

Inhalt 3

Inhalt 4

 

Das internationale Netzwerk

Augenfällig, und dennoch bisher nicht erforscht, ist die nationale bzw. internationale Positionierung des Hagenbundes vom Austritt Gustav Klimts und anderer aus der Secession bis zur Auflösung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1938. Heute sprechen wir von einem internationalen Netzwerk Hagenbund, das sich regional formierte und international operierte. Die Kontakte zu Künstlern aus Tschechien, Ungarn, Polen, der Ukraine, Deutschland, der Slowakei und Slowenien sind wenig erforscht und die Frage nach ihrem Einfluss auf die stilistische Haltung der verschiedenen Wiener Künstler somit auch noch nicht genau recherchiert oder einer exakten kunsthistorischen Beurteilung unterzogen. Erst eine gewissenhafte Quellenrecherche bezüglich der verschiedenen international ausgreifenden Künstlernetzwerke und dem Hagenbund nahestehender Kritiker, Kunsthistoriker und Feuilletonisten kann einen neuen, erweiterten Blickwinkel auf die Kunstentwicklung in Österreich und Wien liefern.

 

 

Netzwerkanalyse

Die Verknüpfung von Kunstgeschichte und Soziologie liefert eine auf der Methode der Netzwerkanalyse basierte Aufarbeitung des Quellenmaterials. Diese seit einigen Jahren für die Kunstgeschichte eingesetzte Vorgangsweise ermöglicht differenzierte Einblicke in die soziale Dynamik des Kunstfeldes und ist ein geeignetes Werkzeug für die kunstwissenschaftliche Analyse und Beurteilung. Nach über 30 Jahren Forschungsgeschichte in Bezug auf den Hagenbund, die Secession, das Künstlerhaus und die Galerienszene hat das Projekt zum Ziel, durch eine umfassende Grundlagenforschung und eine kritische Aufarbeitung der bekannten Quellen neue Perspektiven für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Künstlervereinigung Hagenbund zu gewinnen. Die kunsthistorische Netzwerkforschung als solche ist in jüngster Zeit ins allgemeine Interesse der Forschung gerückt (Burcu Dogramaci und Karin Wimmer [Hg.], Netzwerke des Exils. Künstlerische Verflechtungen, Austausch und Patronage nach 1933, Berlin 2011).

 

 

Ziel

Ziel ist eine umfassende Darstellung der Beziehungen der Künstler des Hagenbundes untereinander, aber auch mit anderen Institutionen innerhalb Wiens und europaweit. Denn die detaillierte Darstellung der Verbindungen der Künstler untereinander einerseits sowie mit Kritikern, Journalisten, Ausstellungsmachern und Kulturpolitikern andererseits ermöglicht die Klärung der Frage, warum zu bestimmten Zeiten eine besondere Kunstströmung, wie der Expressionismus, die Neue Sachlichkeit, der magische Realismus oder die Abstraktion, in den Vordergrund rückt. So soll der bisher nur rudimentären Behandlung des Hagenbundes seit 1993 – trotz erster historischer Aufarbeitungen – entgegengewirkt werden. Aktualisierte Biografien einzelner Künstler sowie die nahezu lückenlose Aufklärung der Ausstellungsgeschichte und der Aktivitäten des Hagenbundes sollen einen bedeutenden Teil der österreichischen Kunstgeschichte neu beleuchten.

 

Inhalt 4

 

Neue Freie Presse von 1901 bis 1910

 

Fördergeber: Jubiläumsfonds der Oesterreichischen Nationalbank (Nr. 15585)
Laufzeit: Oktober 2013 – Jänner 2016
Projektleitung: Alfred Weidinger
Projektteam: Julia Dostal, Luzia Reinthaler

Research Center, Aktenwand
Foto: Clemens Niederhammer, © Belvedere, Wien

Printmedien waren Anfang des 20. Jahrhunderts die bedeutendsten Informationsträger für die Rezeption von bildender Kunst. Die Neue Freie Presse, die damals führende Tageszeitung der Habsburgermonarchie, erschien in der Zeit um 1900 zwölfmal wöchentlich. Im Zuge des Forschungsprojekts wurde die Rezeption des österreichischen und internationalen Kunstgeschehens detailgenau erfasst. So konnten Daten von Ausstellungen und Kunstankäufen konkretisiert und städtebauliche Planungsprozesse dank der akribischen Dokumentation nachvollziehbar gemacht werden. Gewisse Themen traten aufgrund ihrer wiederkehrenden und intensiven Behandlung besonders in den Vordergrund wie beispielsweise die Fakultätsbilder von Gustav Klimt und Franz Matsch; auch die Denkmalgeschichte nahm in den Morgen- und Abendblättern viel Raum ein. Die tägliche Kunstberichterstattung beinhaltet eine Sammlung an kunsthistorisch relevanten Ereignissen und Rezensionen, die im Projekt chronologisch und in Rubriken angelegt wurden. Damit wurde die Aufgabe erfüllt, eine gewaltige Datenmenge in einer strukturierten Form zu erfassen und dadurch einen geordneten Überblick über diese kunsthistorisch so wichtige Periode zu gewinnen. Die Tiefenerschließung aller kunsthistorisch relevanten Inhalte in der Neuen Freien Presse während eines der bedeutendsten Jahrzehnte für die österreichische Kunst-, Kultur- und Geistesgeschichte stellt eine erhebliche Verbesserung der Forschungslage des Wiener Fin de Siècle dar.

Inhalt 3

Inhalt 4

 

Nötscher Kreis

 

Fördergeber: Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur
Laufzeit: 1999 – 2004
Projektleitung: Regine Schmidt
Projektteam: Sigrid Diewald, Bettina Schweighofer

Porträts der vier männlichen Mitglieder des Nötscher Kreis
Nötscher Kreis
© Belvedere, Wien

 

Vier Maler bildeten den so genannten Nötscher Kreis: Franz Wiegele (1887–1944) und Sebastian Isepp (1884–1954) wurden im Dorf Nötsch im Kärntner Gailtal geboren. Anton Kolig (1886–1950) und Anton Mahringer (1902–1974) ließen sich, aus Mähren bzw. Deutschland kommend, dort nieder.
Diese Maler vertraten das Prinzip der raumschaffenden Farbe auf jeweils individuelle Weise und leisteten damit einen hervorragenden und Einfluss gebenden Beitrag zum kunsthistorischen Phänomen eines eigenständigen österreichischen Expressionismus.

Der Nötscher Kreis gehört somit zu den bedeutendsten Künstlergruppen Österreichs zwischen den beiden Weltkriegen und gestaltet das Bild der österreichischen Malerei der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entscheidend mit. Seine Bedeutung beschränkt sich nicht nur auf den lokalen Kärntner Raum, sondern ist vielmehr in einem überregionalen Kontext zu sehen. Die rege Reisetätigkeit der Künstler und ihre komplexen Beziehungen zu zahlreichen Intellektuellen jener Zeit sind von besonderem kulturhistorischem Interesse. Im Zuge des Forschungsprojekts wurden alle erreichbaren Werke der Künstler des Nötscher Kreises erfasst, umfassend wissenschaftlich dokumentiert und in einer Bilddatenbank zur Verfügung gestellt. Das Projekt stellt eine verlässliche Basis für künftige wissenschaftliche Bearbeitungen und Würdigungen dar.

 

Nötscher Kreis

Inhalt 3

Inhalt 4