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Lebensnah

Realistische Malerei von 1850 bis 1950

Ist alles realistisch, was lebensnah scheint? Was fasziniert Betrachter*innen an der detailgetreuen Wiedergabe der Realität? Jedes Abbild der Wirklichkeit kann in der bildenden Kunst generell als realistisch bezeichnet werden. Dennoch: Durch die Fokussierung auf bestimmte Inhalte will realistische Malerei – im Gegensatz zum Naturalismus, dessen Maßstab die äußere Richtigkeit ist – tiefer liegende Wahrheiten vermitteln. Die neue Sonderschau im Oberen Belvedere präsentiert mit Lebensnah realistische Werke aus einem Zeitraum von einhundert Jahren.


Kuratiert von Kerstin Jesse und Franz Smola.

Tickets

Regulär
Regulär
€ 15,90 statt € 18,00 vor Ort
Senior*innen ab 65
Senior*innen ab 65
€ 13,40 statt € 15,50 vor Ort
Studierende unter 26
Studierende unter 26
€ 13,40 statt € 15,50 vor Ort
Kinder und Jugendliche unter 19
Kinder und Jugendliche unter 19
€ 0,00
Besucher*innen mit gültiger Vienna City Card
Besucher*innen mit gültiger Vienna City Card
€ 14,50
Menschen mit Behindertenausweis/ Assistenzpersonen
Menschen mit Behindertenausweis/ Assistenzpersonen
€ 4,00
Gruppe ab 10 Personen
Gruppe ab 10 Personen
€ 15,90

Oberes Belvedere

Öffnungszeiten
Montag bis Sonntag
10 bis 18 Uhr
Adresse

Oberes Belvedere
Prinz Eugen-Straße 27
1030 Wien
Österreich

In Kooperation mit
Impressionen

Zur Ausstellung

Der Begriff Realismus geht auf den französischen Maler Gustave Courbet zurück. Bei der Weltausstellung in Paris im Jahr 1855 zeigte er seine Werke in einem eigenen Gebäude und nannte seine Präsentation „Le Réalisme“. Courbet wählte dabei eine völlig neuartige, lebensnahe und nüchterne Darstellungsweise: Vorwiegend unkonventionelle Motive wurden ohne Zugeständnisse an eine bis dahin übliche beschönigende Ästhetik ins Bild gesetzt.

Der „Réalisme“ etablierte sich in den nachfolgenden Jahren als eigenständige Stilrichtung, die auf die gesamte europäische und amerikanische Malerei ausstrahlte. Dabei spielte auch der Einfluss der noch jungen Fotografie eine wesentliche Rolle. Früh fand der Realismus auch im deutschen Sprachraum begeisterte Aufnahme. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert präsentierte sich die realistische Malerei stets als Gegenpol zu den in dieser Periode rasch wechselnden Stilformen und Avantgarden.

Die Ausstellung präsentiert Objekte realistischer Malerei aus der Sammlung des Belvedere. Der Entstehungszeitraum dieser Werke reicht von der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Obwohl die Arbeiten teilweise in großem zeitlichem Abstand entstanden, weisen viele von ihnen gemeinsame Merkmale auf. Einige Gemälde zeigen eine anspruchsvolle und präzise Maltechnik. Beispiele dafür bieten etwa Friedrich Alois Schönns detailreiche Schilderung des bunten Treibens auf einer Brücke in Sarajevo aus dem Jahr 1883 oder die minutiöse Wiedergabe eines prachtvollen Ballkleides von Karl Mediz von 1891 sowie Rudolf Hausners lebensnahes Porträt von Ruth von Mayenburg von 1951.

Viele Arbeiten eint das Interesse an sozialen und politischen Fragen. Die realistische Malerei positionierte sich nicht selten kritisch gegenüber den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen. Zudem wurde das Banale und Alltägliche darstellungswürdig: Maler*innen warfen Blicke in trostlose Hinterhöfe, wie Erich Miller-Hauenfels im Jahr 1934, rückten Kinderarmut in den Fokus, wie es Anton Filkuka mit den holzsammelnden Kindern von 1925 tat, zeigten das Schicksal von Arbeiter*innen, Dienstbot*innen – zu sehen etwa in einem in den 1850er-Jahren entstandenen Bildnis einer Küchenmagd von Johann Baptist Reiter – und thematisierten Randgruppen der Gesellschaft, wie Josef Engelhart mit dem fast lebensgroßen Pülcher aus dem Jahr 1888.

Der Streifzug durch die Sammlung des Belvedere überrascht durch seine Themenvielfalt. Ausgewählte Werke werden in einer epochenübergreifenden Gegenüberstellung miteinander konfrontiert. Manche der Arbeiten waren bislang selten oder noch nie zu sehen, so etwa Emanuel Baschnys Lesender Mann von 1905 und Anton Hulas Stillleben mit blühendem Kaktus aus dem Jahr 1929. Erstmals zu sehen ist auch Gustav Klimts Bildnis Mathilde Trau, entstanden um 1893. Seit 2019 befindet sich das Gemälde als Dauerleihgabe in der hauseigenen Sammlung. Insgesamt ist die Schau in sechs Kapitel gegliedert: Sie folgt den Themen Gesichter der Gesellschaft und ihr soziales Umfeld, Stadt und Landschaft, Rückzug und Reflexion, Arbeitswelten, Schönheit der Dinge und Momente der Spannung und der Emotionen.

Die Malerei des Realismus versteht sich somit häufig als Spiegel des Alltags und der sozialen Umwelt. Sie setzte sich wie kaum eine andere Kunstauffassung mit sozialen und gesellschaftlichen Realitäten auseinander und gewährt heutigen Betrachter*innen unmittelbare Einblicke in die damalige Lebenswelt der Künstler*innen – ein Eintauchen in vergangene Zeiten!

Termine
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